Jovin Bürchner – Schulsanitätsdienst

Jovin Bürchner hat etwas geschafft, für das er in Schulen und Schulbezirken in ganz Deutschland bewundert wird: Innerhalb von acht Jahren hat er Schulsanitätsdienste in mehr als 50 Schulen im ganzen Landkreis Konstanz aufgebaut. Der 43-Jährige selbst ist Rektor einer Grundschule, wo Kinder in Erster Hilfe ausgebildet werden. Dabei geht es nicht nur um die Stabile Seitenlage und das Pflasterkleben, vor allem das Verantwortungsgefühl verändert die Kinder positiv in ihrem Sozialverhalten.

Helfende Hände schlagen nicht. Anhand dieses Sprichworts erklärt Jovin Bürchner, wie seine Schüler durch den Sanitätsdienst beeinflusst werden. Schulsanitäter bekommen Anerkennung von Kindern, denen sie geholfen haben, von Lehrern, dem Hausmeister und der Schulsekretärin. „Es ist für sie ein Grund, gerne in die Schule zu gehen“, meint Bürchner.

Ein prägendes Eregnis hat Bürchner, der vor seinem Lehramtsstudium als Rettungsassistent gearbeitet hat, dazu gebracht, die Einführung von Schulsanitätsdiensten voranzutreiben. Als Referendar erlebte er im Sportunterricht den harmlosen Unfall eines Kindes. Statt dem Verletzten zu helfen, stand ein Mitschüler aber daneben ohne zu helfen. Als Bürchner hinterher nachfragte, warum er denn nicht geholfen habe, antwortete der Schüler: „Ich habe ihm doch gar nichts gemacht, habe ihm kein Bein gestellt.“ „Diese Art von Logik darf Kindern in unserer Gesellschaft nicht angeeignet werden. Helfen hat ja nichts damit zu tun, ob ich verantwortlich bin oder nicht“, sagt Bürchner. Eine gewisse Soziallogik, wie er sie nennt, soll im Schulsanitätsdienst entwickelt werden.

Aus diesem Grund stehen in Bürchners Grundschule nicht nur Mathe und Deutsch auf dem Stundenplan, sondern auch Erste Hilfe. Die Eltern begrüßen das, schließlich profitieren auch sie davon, wenn ihre Kinder gerne in die Schule gehen und deswegen teilweise sogar bessere Noten schreiben.

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Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 01. November 2011 um 00:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Schulsanitätsdienst abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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4 Comments »

  1. Super!
    Gefällt mir.
    Unser Jovin halt.

    Comment: Markus Auer – 04. November 2011 @ 15:28

  2. Das ist Rotkreuzarbeit at its best! Bei Jovin merkt man einfach, dass er in sehr großen Bögen denkt. Das Vermitteln von Erster-Hilfe ist eben mehr als das Versorgen von Verletzungen: Es schult Verantwortungsbewusstsein, Selbstwertgefühl, Sozialkompetenz, Empathie. Daran sollten wir uns immer wieder – auch für andere Aufgabenfelder – erinnern. Menschen für die Rotkreuzarbeit zu gewinnen, davon profitieren alle Seiten. Wir als Organisation, die Hilfebedürftigen, aber eben auch die Engagierten selbst. Es setzt aber voraus, dass wir Menschen wie Jovin Bürchner haben, die mit soviel Leidenschaft, Kompetenz und vor allem Weitblick für das Rote Kreuz arbeiten. Das verdient unseren größten Respekt. Tolles Interview. Danke.

    Comment: Andreas Formella – 06. November 2011 @ 13:33

  3. Wunderbares Interview: Mein herzlichster Dank an Jovin Bürchner! Er begeistert mit seiner Arbeit nicht nur die Kinder und Jugendlichen sondern auch die „alten“ Hasen! Er lebt die Rotkreuzidee mit Begeisterung und Leidenschaft und kann sie auch authentisch vermitteln. Mein Dank auch an Dich Sebastian, ich höre Deine Podcasts immer wieder gerne.

    Comment: Martina Jockers – 10. November 2011 @ 21:51

  4. Guten Tag,
    Herzlichen Dank für dieses begeisternde Gespräch. Als Vater zweier schulpflichtiger Kinder kann ich Herrn Bürchners Ausführungen nur zustimmen. Danke für diesen tollen Infokanal!

    Comment: Wolfgang Klein – 11. November 2011 @ 11:42

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