Angelika Mölbert – Migration

Dr. Angelika Mölbert ist beim Badischen Roten Kreuz Referentin für Migration. Die 49-Jährige setzt sich für die interkulturelle Öffnung des Verbands ein, denn laut aktueller Erhebungen sind Menschen mit Migrationshintergrund unterdurchschnittlich im Roten Kreuz vertreten. Dabei geht es  nicht nur um die Zahl der Mitglieder, die gesteigert werden soll. Auch vom Wissen der Einwanderer kann der Verband profitieren.

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine verschleierte Muslimin liegt nach einem Unfall am Boden, der Rettungsdienst trifft ein, die Angehörigen stehen aufgeregt daneben. Möglicherweise fürchtet der Ehemann, dass seine Frau ausgezogen und angefasst werden könnte. Was tun, wenn es wie in diesem Fall ganz schnell gehen muss? Das ist eine von vielen Fragen, mit denen sich Angelika Mölbert beschäftigt. Die Ethnologin setzt auf Kommunikation. „Die meisten Missverständnisse lassen sich im Gespräch ausräumen“, sagt sie.

Auch in der Altenpflege können Probleme zutage treten. So wollen Muslime nicht mit Wasser aus einem Wännchen gewaschen werden, weil sie das als unrein ansehen. Stattdessen wollen sie unter fließendem Wasser gesäubert werden. Oder sie essen kein Schweinefleisch. Bleibt im hektischen Pflegealltag für derlei Ausnahmen und Extras überhaupt Zeit? „Ja“, betont Angelika Mölbert, auch hier könne ein Gespräch, insbesondere mit den Angehörigen, viele Probleme lösen, bevor sie überhaupt auftreten.

Derzeit werden eine Reihe von Schulungen organisiert, die für die verschiedenen Bereiche des Badischen Roten Kreuzes unterschiedlich konzipiert sein müssen, alle jedoch mit dem Thema Migration und interkulturelle Öffnung zu tun haben. Denn ein Assistent im Rettungsdienst muss anders geschult werden als ein Mitarbeiter in der Verwaltung oder in der Altenpflege.

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Dieser Beitrag wurde am Samstag, 01. Oktober 2011 um 00:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Migration abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Ich bin sehr stolz darauf, dass das Badische Rote Kreuz den Gesundheitsfonds für Illegale als erster Rotkreuzverband im DRK eingerichtet hat. Das ist so sehr Rotes Kreuz, denn gerade hier geht es um Gesundheit und die Würde von den „most vulnerable“ – den am meisten Verletzbaren. Ich freue mich sehr darüber, dass unser Präsidium sich hier so eindeutig entschieden hat – obwohl die Rechtslage damals nicht so klar war wie heute. So sind wir Vorreiter bei der Umsetzung einer Forderung der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung: Der Gruppe der Flüchtlinge besondere Hilfe zukommen zu lassen. Wir sind hier ganz nah an der Rotkreuzidee. Und mit den Diskussionen um den Gesundheitsfonds haben wir uns wieder sehr intensiv damit beschäftigen können, wer wir als Rotes Kreuz sind. Tolle Sache. Und das Thema wird von Dr. Mölbert professionell und mit viel Engagement begleitet. Das ist das Badische Rote Kreuz!

    Comment: Andreas Formella – 06. November 2011 @ 13:03

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